A Lifetime

Ich habe lange überlegt, ob ich dies hier überhaupt posten soll, aber ich bin zum Entschluss gekommen, es gehört hierher.

Ich habe es gestern nicht geschafft, zur Trauerfeier von Kerstin Kuhn ins Wendland zu fahren. Am Sonntagabend hat mich die Nachricht erreicht, dass sie am Freitag gestorben ist – und es war eine von den Nachrichten, die einen unerwartet mitten in die Magengrube treffen.

Kerstin und ich waren nicht in dem Sinne befreundet, in dem ich das Wort verstanden wissen will – schließlich habe ich unter anderem wegen des inflationären Umgangs mit dem Begriff „Freund“ FaceBook den Rücken gekehrt. Wir waren Bekannte, die ein Hobby – Rollenspiel – teilten und die sich immer wieder mal in unregelmäßigen Abständen in der Proitzer Mühle, dem wunderbaren Ort, den Kerstin und ihre lieben Mitstreiter für derlei Aus-Zeiten geschaffen hatten, trafen, um eben diesem Hobby zu frönen. Ich habe für sie DSA, Vampire und Warhammer geleitet und an ihrer Seite als arroganter Medicus Aventurien unsicher gemacht. Aber obschon wir „nur“ zusammen gespielt haben, traf mich diese Nachricht tief – zumal ich gerade bei meinem letzten Mühlenbesuch in einer Runde mit ihr gespielt habe, die für mich in vielerlei Hinsicht sehr viel bedeutet.

Ich werde Dich vermissen, Werkatze.

Wenn man eine solche Nachricht erhält, auch noch (da bei den unzähligen zu Benachrichtigenden gar nicht anders möglich) mit den dürren Worten einer Sammel-E-mail, relativiert sich die Bedeutung von Verträgen und Lieferterminen, um die sich eben noch scheinbar die Welt drehte, mit einem Mal erheblich. Plötzlich bedeutet auch mein Kontostand nichts mehr.  (Es ist nur Papier …)

Ich möchte am liebsten gar nichts hören und gar nichts sagen – aber dann gleich die wenigen Menschen, die wirklich wichtig sind, und zwar am besten alle auf einmal, möglichst nah bei mir haben, in den Arm nehmen und merken, dass ich lebe und sie auch und wie gut das ist.

„You get what anyone gets: You get a lifetime“, lässt Neil Gaiman Death, Morpheus‘ ältere Schwester, sagen.
Wir denken viele zu selten daran, das Beste daraus zu machen.

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