Merkel versteht

Der Presse durfte ich entnehmen, dass unsere Bundeskanzlerin „großes Verständnis“ für die Menschen hat, die, dem Vorbild der US-amerikanischen Occupy-Bewegung folgend, in Frankfurt vor der Börse kampieren. Das sei „Ausdruck des gut nachvollziehbaren Wunsches nach Gerechtigkeit der Menschen.“

Klingt ja erstmal gut.

Aber man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Soviel abgebrühte Wählerverachtung war selten. Immerhin ist Frau Merkel die amtierende Regierungschefin dieses Landes … und sie hat Verständnis für die Sehnsucht der Menschen nach Gerechtigkeit. Als sei die mithin logisch herrschende und von ihr eingeräumte Un-Gerechtigkeit etwas, für das sie gar nichts kann, das eine böse Macht (sprich: die Banken) Deutschland von außen antun. Als sei sie nicht Duzfreundin der Täter. Als habe sie nicht die Gestaltungsmacht einzugreifen – wenn sie es denn wollte. Als geschähe all das nicht mit ihrer Billigung oder zumindest: stillen Duldung.

Vornherum den empörten Menschen nach dem Munde reden, ihnen Recht geben ohne jede Scham (okay, rot werden fällt aus, aber ein bisschen Selbstekel im stillen Kämmerchen vielleicht?) und hintenrum von Gipfel zu Gipfel eilen, um den Schuldigen, den Tätern, abwechselnd Geld (meins und Ihres, verehrte Leser) zuzustecken und halbherzig mit dem Finger zu drohen – immer deren Einverständnis voraussetzend.

Widerwärtig. Ein neuer Meilenstein des Zynismus – bei dem mir jegliches Verständnis abgeht.

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