Hollywood liegt in London

Angesichts der aktuellen britischen Generaloffensive in der Traumfabrik (ich sage nur Helen Mirren, Keira Knightley, Colin Firth …) erscheint es nur logisch, dass das aus London stammmende Swingpunk-Trio The Puppini Sisters sein neuestes Album „Hollywood“ nannten. Darauf zollen sie zum wiederholten Male der Musik Tribut, die einst für die große Kinoleinwand geschrieben wurde. In ihrer unnachahmlichen Art haben sich Marcella Puppini, Stephanie O’Brien und Harmonika- und Xylophon-Genie Kate Mullins dafür über glamouröse Klassiker aus dem goldenen Zeitalter Hollyoods hergemacht. Wir hatten am 22. Gelegenheit, die drei und ihr hervorragendes (natürlich rein männlich besetztes) Begleittrio in der Darmstädter Centralstation live zu erleben.

Die britische Financial Times nennt die Puppini Sisters „die Andrews Sisters auf LSD“ – und ich hätte es treffender nicht sagen können. Was die drei klassisch geschulten Sängerinnen mit ihren waghalsigen Vokalarrangements und der schrägen Instrumentierung – neben der schon erwähnten Harmonika setzen die falschen Schwestern auf das männliche Fundament aus Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug noch Akkordeon und Violine – Film- und anderen Evergreens antun, ist zuweilen geradezu sensationell.

„Diamonds Are A Girl’s Best Friend“ zum Beispiel – von Marilyn Monroe 1953 in Howards Hawks’ Klassiker Blondinen bevorzugt unsterblich gemacht – kommt hier als quirlige, fröhliche Nummer daher, aber die Mädels singen’s in Moll, bis man meint, Dr. Mabuse persönlich werde gleich bei Tiffany’s zum Frühstück vorbeischauen. Auch wenn das Französisch der Damen bei Brigitte Bardots  „Moi je joue“ arg haperte, brandete beim Gershwin-Stück „I Got Rhythm“ so viel Energie und Druck von der Bühne, dass niemand im Saal – und wir am allerwenigsten – still stehen bzw. sitzen bleiben konnte.  Mein persönliches Highlight war das trotzig-rotzig-bekennerhafte „I Feel Pretty“ aus der West Side Story, und man kann den in goldene Glamourklamotten gekleideten Damen nur rechtgeben. Da verzeihe ich auch den abgenudelten Schmachtfetzen „True Love“, dem selbst die Puppinis nichts Neues mehr abzugewinnen wussten.

Für mich hätten es live ein paar mehr Cover aktueller(er) Stücke sein dürfen – Yolanda Be Cool &Dcups „We no speak Americano“ war einfach klasse –, aber auch so war es ein mitreißender, wenn auch recht kurzer Abend mit den Schwestern, die keine sind, in Darmstadt

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