Gelesen: Last Days on Earth/Julian Frost

ImageKarla van Zomeren, weiße Hexe im Kriminaldienst der Magisterischen Informationsdienststelle MID, soll zusammen mit dem schwarzen Magier Raoul Winter in einer Reihe von Diebstählen magischer Werke ermitteln. Der neue Partner ist schwierig, und überhaupt ist Karla gedanklich noch sehr bei ihrem Ex-Partner Fokko Tjarks, der bei ihrem letzten gemeinsamen Einsatz schwer verletzt wurde, als er einen für sie gedachten magischen Schlag abfing

Hinter den entwendeten Büchern steckt natürlich weit mehr, als anfangs ersichtlich ist. Ohne spoilern zu wollen: Ihre Inhalte – und damit natürlich der gesamte Roman – hängen zusammen mit den Prophezeiungen der Maya, deren Kalenderberechnungen zufolge die Menschheit am 21. Dezember diesen Jahres vollständig vernichtet werden wird. Außerdem stellt sich die Frage, warum Karla erst von ihrem Mit-Ermittler, zu dem sie (nicht nur) ob der Tatsache, dass er einem Dämon freiwillig als Wirt dient, um seine geistigen Kapazitäten zu erweitern, ein sehr zwiespältiges Verhältnis hat, erfährt, dass es im Umfeld der Bücherdiebstähle auch zu Morden gekommen ist ... Offenbar soll hier einiges vertuscht werden, nicht zuletzt der Zusammenhang des Falles mit Karlas „Weltuntergangs-Sammelalben“, in denen sie, selbst passionierte Apokalyptikerin, Berichte aller Art über Katastrophen sammelt, die auf ein drohendes Armageddon hinweisen.

Julian Frost ist ein Pseudonym der Düsseldorfer Autorin Susanne Gerdom. Sie beweist in diesem Buch, das ich mit großem Spaß gelesen habe und hiermit klar weiterempfehle, dass Urban Fantasy ein gemischtgeschlechtliches Protagonisten-Paar haben kann, ohne gleich in Frau-fickt-Vampir-Schund abzugleiten. Das Ganze erzählt sie mit souveräner Leichtigkeit, die in den stärksten Passagen in ihrem augenzwinkernden Humor oft an Good Omens des gottgleichen Paares Gaiman/Adams erinnert. Wer allerdings auf das Cover und den Klappentext reinfällt, die die Marketingabteilung des Hauses Piper nicht kreiert, sondern verbrochen haben, und entsprechend Schund im Stile von Weltuntergangsthrillern wie Roland Emmerichs „2012“ sucht, der ist hiermit schlecht beraten.

Außerdem ein Fehdehandschuh für den englischen Titel – was soll der Quatsch?

Fazit

„Julian Frost“ liefert hier leichtfüßige, spannende und zugleich humorvolle Urban-Fantasy-Unterhaltung, die den Leser in eine offenbar wohldurchdachte, mit allerlei Fabelgewese bevölkerte Welt wirft und so tut, als kenne man diese in- und auswendig. Sehr gut! Das Buch allerdings als „Thriller“ zu vermarkten und kurzatmig auf den Maya-Weltuntergangs-gequirlte-Kacke-Zug aufspringen zu wollen, zeugt von einer von allen guten Geistern verlassenen Strategie seitens des Verlages. Ich hoffe nur, dass dieser Roman diesem Unsinn nicht zum Opfer fällt.

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