Gelesen: Der Ring des Todes

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Kommissar Theobald Wagner, Kriminalist in einer Sinnkrise, bekommt es in Mannheim mit einem Serienkiller zu tun. Dieser tobt sich in den besten Kreisen der Metropole an Rhein und Neckar aus und hinterlässt bei den Leichen merkwürdige Hinweise. Kommissar Wagner kann diese Symbolik zunächst nicht enträtseln. Fünf sehr unterschiedliche Spitzen der Gesellschaft der Quadratestadt müssen daran glauben, ehe der Kriminalist, der sich dem Alkohol ergeben hat, weil ihm seine einst geradezu sprichwörtliche Intuition abhanden gekommen ist, einen roten Faden in den Taten sieht, und auch dann schafft er es nicht aus eigener Kraft. Erst die Tipps einer älteren Dame, der Wagnerianerin Elsbeth Winkler, bringen die ins Stocken geratenen Untersuchungen wieder ins Rollen.

Sie glaubt, Parallelen zur Symbolik von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ entdecken zu können. Bald wird klar, dass alles, was der Mörder tut, seine eigenwillige Interpretation dieses großen Zyklus widerspiegelt.

Dann geschieht der nächste Mord, und Elsbeth Winkler gerät in die Gewalt des Mörders. Wagner ist verzweifelt und wirft alle Bedenken über Bord. Er dringt rechtswidrig in das Haus seines Hauptverdächtigen ein und kann den Wagner-Mörder tatsächlich stellen. Doch ehe es zum großen Finale kommt, sind auch Wagners Leib und Leben noch bedroht. Aber keine Bange: Das Gute siegt am Ende.

Nebenher menschelt es, wenn Amy Lendsor – das Pseudonym einer Mannheimerin, deren Debüt mit diesem Krimi vorliegt – uns die aufkeimende Romanze des Kommissars mit einer studentischen Aushilfskraft im Café seiner Wahl schildert. Allerdings bleibt die Autorin die Auflösung dieser Romanze schuldig.

Meinung

Nachdem der Roman anfangs sehr langsam in die Gänge kommt, steigert Amy Lendsor das Tempo geschickt, weiß aber mit dem Schluss nicht wirklich zu überraschen.

Dennoch ist der „Ring des Todes“ ein vielversprechendes Debüt, wenn auch mit einigen Abstrichen. Es weiß vor allem dann zu gefallen, wenn die Erzählperspektive zur Innenschau des Killers wechselt. Außerdem gelingt es der Autorin, Kurpfälzer Lokalkolorit einfließen zu lassen, ohne in den Boulevardroman abzurutschen.

Neben der Krimihandlung liefert der „Ring“ natürlich allerlei Informationen über den Komponisten und sein Werk. Ich hätte mir etwas mehr kritische Auseinandersetzung mit dem Nazi-Hofkomponisten gewünscht, aber sei’s drum. Schade auch, dass Lendsor die Chance verpasst, einen Mannheim-Schlüsselroman zu schreiben und ihren Toten die zur Kenntlichkeit verzerrten Gesichter echter Mannheimer Lokalgrößen zu geben. Da wurde die Gelegenheit zu ein paar guten Insiderspäßen verschenkt. Die Morde hingegen sind originell, was den Kollegen Krämer besonders freuen dürfte.

Außerdem ist mir das Titelbild mit der Johnny-Cash-Ring-of-Fire Anmutung positiv aufgefallen (nein, das ist nicht Saurons Auge …).

Fazit

Der „Ring des Todes“ hat mir gefallen. Er ist flüssig geschrieben, abwechslungs- und kenntnisreich präsentiert, hat liebenswerte, wenn auch bisweilen etwas holzschnittartige Charaktere und bietet mir als Mannheimer den Extrabonus des „Heimatfilms im Kopf“. Insgesamt ein unterhaltsames Debüt – kein „Schweigen der Lämmer“, aber eben auch mehr als Dutzendware.

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