50.000 Shades of Bigotry

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Ikonisch: Die Mutter einer SM-Renaissance

Die beiden Buchhandelsketten WELTBILD und Hugendubel bieten in ihren Online-Shops die Weichspül-Sado-Maso-Schmonzette Shades of Grey, die bei den Kollegen von Goldmann jüngst mit einer Startauflage von 500.000 startete und damit mal wieder zeigt, wo beim deutschen Lesepublikum der Hammer hängt, zwar an, warnen aber gleichzeitig – schließlich gehört man der Kirche, und es wird ja auch so viel von Pornografie geredet in letzter Zeit – gleichzeitig vorm Kauf.

„Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau“, wird der masturbationsgeneigte Kunde informiert, „widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen. Wir sehen das Buch als sehr problematisch an.“

Ich meine: So geht’s nicht. Entweder nimmt man sich selbst in seiner Argumentation ernst – auch wenn in der Bibel nirgends steht: „Du sollst dich nicht zum gegenseitigen Vergnügen von deinem Partner verhauen lassen“ und auch wenn die Kirche eine lange Tradition des ausnehmend spaßfreien Anderverhauens hat. Dann gilt Matthäus 6,24: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Dann muss man die Eier haben und mal ’ne Meinung nicht nur posten, sondern auch vertreten – und auf all die schöne Kohle aus dem Verkauf der sinnfrei gehypten Twilight-Fan-Fiction (!) verzichten. Aber dazu bräuchte es Rückgrat.

Oder man will auf den lieben Mammon nicht verzichten – dann hält man gefälligst den Mund und erspart seinen Kunden bigottes, heuchlerisches Warngeschwafel, nimmt die Asche und lässt Gott einen guten Mann sein.

Aber beides geht nicht. Peinlich, peinlich. Oder, liebes Weltbild, liebe Hugendubels, eure eigenen Worte paraphrasierend, damit’s mit dem Verständnis klappt:

„Die hier betriebene Bigotterie widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem ich mich als intelligenter Bücherleser leiten lasse. Ich sehe solches Verhalten als sehr problematisch an.“

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Ein Kommentar zu „50.000 Shades of Bigotry

  1. als hexe erinnere ich mich an etliche bücher, die plötzlich nicht mehr verlegt wurden, als die verlegung durch verkauf in kirchliche hände geriet (‚göttin ohne gott‘ oder ‚lexikon der frauen‘ z. b., aber nicht sicher)
    und vom schlagen, prügeln, steinigen oder das-eigene-kind-opfern ist doch bei diesem gott genügend zu lesen – ich halte ihn für einen großartigen s/m-gott!

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