Chronik einer angekündigten Bauchlandung

ImageEin Gespenst geht um in der deutschen Buchhandelsszene. Es heißt Thalia und ist mitunter ganz schön unheimlich und hat teilweise sehr dicke Ellbogen. Aber vielleicht wird das Gespenst bald exorziert …

Thalia nennt es „Flächenrückbau“, aber das ist ein widerwärtiger Euphemismus. Wer so redet, nennt Atommüllendlager auch „Entsorgungsparks“ und Massenentlassungen „personalpolitisch getriebene Gewinnmaximierung“.

Fakt ist: Es mehren sich die Anzeichen, dass das US-amerikanische Private-Equity-Unternehmen Advent den Lifestyle-Konzern Douglas schlucken wird, zu dem auch Thalia gehört. In Deutschland steht Private Equity als Form der Beteiligungsfinanzierung schon lange in der öffentlichen Kritik. Angestoßen wurde die Diskussion bereits Mitte 2005 durch Franz Müntefering, der ja nun beileibe kein säbelrasselnder Kapitalismuskritiker ist, aber dennoch einen Vergleich mit „Heuschreckenschwärmen“ anstellte; seither hat sich die Bezeichnung „Heuschrecken“ allgemein als Metapher durchgesetzt.

Eine solche Heuschrecke wird nun also wahrscheinlich den u. a. Parfumriesen und eben auch seine Buchtochter aus Hagen fressen, die immerhin Marktführerin im Buchhandel ist.

Spätestens dann ist es auch egal, ob Thalia im Zuge des begonnenen „Sanierungskurses“ 15 (wie selbst verlautet) oder 50 (wie von u. a. buchreport berichtet) Filialen schließt. Im Zuge desselben Sanierungskurses sollen übrigens die Verlage – zur Erinnerung: Das sind die Firmen, die einmal im Jahr in Hagen zum Rapport antreten durften, um sich dort ihre Konditionen diktieren zu lassen, die sie mit Glück dann auch gleichlautend in der Jahresvereinbarung wiederfanden – dem angeschlagenen Vertriebspartner aus Hagen „in der schwierigen Restrukturierungsphase bei den Konditionen entgegenkommen und finanziell unter die Arme greifen.“ Sollen wir vielleicht auch noch ein paar Care-Pakete packen?

Hier zeigt sich, was passiert, wenn Konzernstruktur auf Kulturgut (vulgo: Kapitalismus auf Buch) trifft: Es geht rauschend schief. Erst die lebendige Buchhandelslandschaft teilweise mit Bulldozer-Methoden planieren, dann große Töne spucken, dann merken, dass man sich verhoben hat, dann aus den Filialen eine Art andersfarbige Nanu Nana-Niederlassung mit ein paar mehr Büchern zwischen den NonBook-Artikeln machen und dann rumjammern? Ja pfui.

Aber genug geschimpft … ich muss weg, Stullen schmieren.

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