Je einfacher denken …

… sei eine Gabe Gottes, soll der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer einmal gesagt haben.

Auch wenn es sich bei dem Satz um einen grammatikalischen Trümmerbruch handelt, möchte ich ihm inhaltlich von ganzem Herzen zustimmen und gleich noch eine Lanze für das „Je einfacher reden“ brechen.

Es geht mir nämlich zunehmend eine sehr fatale Form von Gejammere auf die Nerven, die ich in zwei Ausprägungen erlebe. Da ist zum einen die sog. Experten-Variante: „Der Sachverhalt [ergänze: Eurokrise, Globalisierung, EnBW-Deal, Rentenlüge …] ist zu kompliziert, um ihn einem Laien zu erklären. Vertrauen Sie mir einfach.“ In der eher passiven, also duldenden oder leidenden, Volks-Variante klingt das in etwa so: „Du, dieser Sachverhalt [ergänze: Eurokrise, Globalisierung, EnBW-Deal, Rentenlüge …] ist so kompliziert, da blickt ja kein Mensch mehr durch … ich glaube, das muss man den Fachleuten überlassen.“

Ich glaube das nicht.

Ich glaube vielmehr, dass hier Politiker, Börsianer, (selbsternannte) Finanzexperten und viele mehr sich eines uralten Tricks bedienen, den wir schon von unseren Lehrern kennen: Sachverhalte unnötig kompliziert ausdrücken, um sich vom Pöbel abzugrenzen. Er potenziert sich allerdings derzeit noch zu „Sachverhalte so lange unnötig verkompliziert und verklausuliert ausdrücken, bis mich keiner mehr versteht und mich alle machen lassen.“

Solchen Menschen möchte ich aber weder machen noch ihnen etwas über-lassen, schon gar nicht für mein Leben ausschlaggebende Entscheidungen.

Ich glaube mich zu erinnern, dass es die Figur des genialen, querschnittgelähmten Forensikers Lincoln Rhyme ist, die Jeffrey Deaver in seinen Thrillern bei der Annäherung an ein neues Thema immer gebetsmühlenartig fordern lässt: „Explain that to me as if I were a six year old.“ Eine gute Forderung – und man wundert sich, wie gut das geht. Ich probiers mal an ein paar Beispielen:

  • Es gibt gar keine Eurokrise. Es gibt vielmehr eine Schuldenkrise. Das liegt daran, dass unsere Regierungen unseren Staat in einem Maß überschuldet haben, für das jeder Privatmann längst hinter Gittern säße. Man sollte sie zur Verantwortung ziehen.
  • Die Rentenkassen sind leer. Wer aktuell noch keine Rente bezieht, wird von seiner Rente (so er welche bekommt) nicht leben können. Das liegt daran, dass die Regierung Kohl den Generationenvertrag einseitig aufgekündigt hat, um unser Erspartes in blühende Landschaften zu stecken.
  • Banken werden gerettet, weil sie systemrelevant sind. Mit unserem Geld. Unser (finanzielles) Wohlergehen ist nicht systemrelevant.

Ich hör dann mal auf. Aber ich würde mir wünschen, wir – und erst recht die Interviewenden allüberall in den amtlichen Informationsverteilzentralen – würden beginnen, unsere/ihre Gesprächspartner zu so klarem Reden zu zwingen. Oder ihnen endlich nicht mehr zu- und damit auch nicht mehr auf sie zu hören.

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