Aster auf der Couch

Im Schatten der GötterDas Folgende sagt der Kollege Carsten Kuhr bei der Phantastikcouch zu unserem Buch „Im Schatten der Götter“:

Seit Kommissar Methesdorf den Entführer eines kleinen Mädchens in einem der ungenutzten alten Bunker Berlins aufgespürt hat, gehört er zu den angesehensten Amtspersonen des Morddezernats. Und das, obwohl er sich den gemeinsamen Grillabenden des Dezernats ebenso entzieht, wie dem Betriebsausflug.

Als in der Villa eines neureichen Archäologen ein Dieb und dazu gleich noch vier Angehörige eines privaten Sicherheitsdienstes ersticken, weiß aber auch er nicht weiter. Weit schlimmer als der ungeklärte fünffache Mord ist aber, dass die Todesserie nicht abreißen will. Überall in Berlin ersticken Menschen, ohne dass es dafür eine Erklärung gibt. Die einzige Spur führt in den Tresor des Archäologen, in dem dieser eine aus einer spanischen Galeone geborgene goldene Schatulle aufbewahrt hat.

In Moabit, in einer der sogenannten Ein-Zimmer-Wohnungen, normalerweise würde man eher Bruchbude zu den Absteigen sagen, könnte Methesdorf Aufklärung finden. Hier leben zwei Ostafrikaner vom fast vergessenen Stamm der Wasanias. Einst, vor Jahrhunderten, bevor der Kapitän des spanischen Schiffes ihnen ihre Gottheit gestohlen hat, waren sie die Hüter des Kästchens. Jetzt, da das Kästchen wieder aufgetaucht ist, könnten sie der Welt über ihren Schattengott berichten; ein Gott, der auf Rache sinnt – oder steckt doch etwas anderes, jemand anderes hinter den Verbrechen?

 

Christian von Asters Lesungen sind legendär. Wenn der charismatische, extrovertierte Autor seine Gedichte und Prosawerke vorträgt, bleibt zumeist kein Auge trocken. Dass er darüberhinaus auch spannend und phantastisch zu fesseln weiß, beweisen nicht zuletzt sein „Zwergen“-Zyklus bei Lyx und „Der letzte Schattenschnitzer“, der bei Klett-Cotta die Weihen des Hardcovers verliehen bekommen hat. Vorliegend greift Feder & Schwert, wie immer mit dem Ohr am Puls der Zeit, einen älteren Kurzromans von Asters auf und bietet diesen neu überarbeitet den Leser an.

Inhaltlich befinden wir uns vorliegend im Berlin der Jetztzeit. Wir lernen unsere Protagonisten (einen alternden, etwas faulen Kriminalkommissar, einen ewigen Studenten und die Wasanias) kennen, und versuchen mit diesem zusammen die mysteriösen Verbrechen aufzuklären. Dabei arbeitet von Aster ganz bewusst mit Stereotypen, zieht diese dann aber gerne und ausgiebig durch den Kakao. Seien es die unwissenden Ostafrikaner, die laszive, sexbesessene Schwarze, der unfähige Beamte oder der Kokslinien schnupfende Neureiche – nichts lässt von Aster hier aus. Dass er darüberhinaus eine spannende Handlung präsentiert, macht den Roman lesenswert.

Gerade weil der Autor sich und seine Figuren nicht immer bierernst nimmt, liest sich der kurze Roman locker auf einen Rutsch durch. Spannend geht es zu, immer wieder sorgen unerwartete Wendungen oder markante Handlungsorte für Überraschungen, bis uns der Abschluss zufrieden zurücklässt. Zur Entspannung, für zwischendurch, eine Bahnfahrt oder das Wartezimmer, bestens geeignet.

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