Die Schande von München

raeumung-fluechtlingscamp-rindermarkt„Es kommt nicht darauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen.“

– Jean Ziegler

Heute Morgen um 5 Uhr hat die Polizei das Lager der Hungerstreikenden am Münchner Rindermarkt gestürmt.

Es kam zu 13 Festnahmen, die Hungerstreikenden, von denen über 35 mittlerweile kollabiert waren, wurden auf umliegende Münchner Krankenhäuser verteilt.

Die Asylbewerber aus mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern hatten seit einer Woche im Hungerstreik gestanden und weigerten sich seit Dienstag auch zu trinken, was innerhalb weniger Tage zum Tod führen kann. Die Flüchtlinge hatten signalisiert, ihren trockenen Hungerstreik auszusetzen, wenn ihnen zunächst eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erteilt worden wäre. Die Vermittler Alois Glück (CSU) und Hans-Jochen Vogel (SPD) hatten jedoch kein konkretes Angebot vorlegen können.

Der Zeitpunkt der Räumung war gut gewählt: Zum einen hat es gute Tradition, Polizeigewalt bei Nacht und Nebel passieren zu lassen und nicht vor den Augen der RTL-II-geschulten bundesrepublikanischen Öffentlichkeit, zum anderen musste das Pack ja weg sein, bevor die Münchner zum Flanieren ausschwärmen.

Wäre ja noch schöner, wenn da wer auf unseren Einkaufsmeilen einfach so verhungert!

Nein, in Deutschland darf man nicht verhungern. Sogar dieses letzte Recht, das auf freie Bestimmung des eigenen Sterbens, hat man diesen Menschen nun genommen, damit sie unsere verlogene Friedhofsruhe nicht stören.

Der Staat sei nicht erpressbar, tönt die bayrische Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU). Sie hatte sich von Anfang an eiskalt gezeigt und gesagt: „Hierzulande ist Politik nicht erpressbar. Wir leben in einem Rechtsstaat, wo man sich nicht durch Hungerstreiks eine Vorzugsbehandlung erzwingen kann.“ Stimmt. Wohl aber durch Geld und Lobbyismus, wie der jüngste Kotau der Merkelin vor der deutschen Autoindustrie in Sache CO2 zeigt. Aber das da auf dem Rindermarkt waren ja auch keine wertvollen Banker und Industriellen, sondern eben nur Flüchtlingspack.

Mal im Ernst: Dieses Gerede von Wirtschaftsflüchtlingen ist gequirlte Scheiße. Wenn es Menschen an einem Ort zum Leben nicht reicht, gehen sie woanders hin. Das war schon immer so, und das ist auch normal so. Wem das nicht passt, der soll sich bei ATTAC anmelden und mit gegen die Globalisierung streiten, die uns so segnet und es uns ermöglicht, schuld zu sein an der Tatsache, dass diese Menschen aus ökonomischen Gründen ihre Heimat verlassen müssen.

Diese Menschen wollte nichts Unmögliches.

Sie wollten Asyl.

Sie wollten überleben.

Ihnen das zu verwehren, ist unmenschlich, unchristlich und unmoralisch.

Pfui Teufel.

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