Kunstblut

ImageMit einiger Verspätung hat das D&D-Gate gemerkt, dass es drei (!) Bände unserer Kunstkrimi-Reihe um Annie Kincaid gibt. Hier die Rezi von Moritz Mehlem:

Komisch! Ich habe aus direkter Quelle erfahren, dass die Umschläge der Annie Kincaid-Reihe sich verkaufshemmend ausgewirkt hätten – dabei finde ich die große Klasse. Sie haben einen hohen Wiedererkennungswert, sehen im Regal vom Rücken her schick aus und transportieren den Inhalt wirklich hervorragend.

 

Zu diesem Band möchte ich noch kurz bemerken, dass ich mich düster erinnere, dass F&S mit ihm vor etwa 2 Jahren bei startnext die Wasser für ein Literatur-Crowdfunding ausgelotet haben und die benötigte Kohle leider nicht zusammengekommen ist. Umso erfreulicher, dass der Band trotzdem übersetzt und gedruckt wurde. Mittlerweile haben ja die Crowdfunding-Plattformen abseits von Kickstarter auch einiges an Renommee gewonnen – vielleicht kann man ja dem vierten Teil der Reihe noch einmal die Chance geben, wenn er sich nicht auf andere Art und Weise finanzieren lässt.

 

Worum geht’s nun aber in Annies drittem Fall? Vordergründig dreht sich alles um das Gemälde „La Fornarina“, das als Kopie in einem Kolumbarium, in dem Annie gerade arbeitet, hängt. Zu Beginn des Romans wird die Frage aufgeworfen, ob es sich nicht um das Original von Raffael handeln könnte, aber als Annie nachsieht, stellt sie fest, dass sie es mittlerweile mit einem billigen Druck zu tun hat. Wo ist also das Original? Und was ist mit dieser komischen Cindy Tanaka passiert, die Annie auf das Bild aufmerksam gemacht hat? Welche Rolle spielt das komische Kistchen, das der mysteriöse Ghul aus einem Mausoleum auf dem Friedhof des Kolumbariums stehlen wollte.

Eigentlich geht es aber im ganzen Roman nur um Annies Suche nach dem „richtigen“ Partner. Sie ist mit dem Bauunternehmer Josh zusammen, trifft aber immer mal wieder den geheimnisvollen Michael X. Johnson und auch ihr Vermieter ist nicht ganz uninteressant.

Auch der immer im Hintergrund präsente Fälscher-Großvater spielt zwar keine direkte Rolle, aber immerhin taugt er als Druckmittel, um Annie auf die Suche nach dem Bild einzupeitschen.

 

Einfach nur, weil diese Stelle vom Stil her so überhaupt nicht zum eigentlich sehr schicken Stil des Romans passt, möchte ich mal eine Szene zitieren, die man sonst nur aus dem aktuellen Ärzte- oder Adels-Roman kennt: „Seine braunen Schultern steckten in einer gut eingetragenen, kurzen braunen Lederjacke, das schneeweiße Hemd stand am Hals offen und unten schmiegten sich ausgebleichte Levis um schmale Hüften und wohlgeformte, muskulöse Oberschenkel. Der Kragen der Lederjacke wurde sanft von dunkelbraunen Locken gestreichelt, und als sei das alles noch nicht genug, erstrahlten seine Augen hinter den unverschämt langen Wimpern in einem Grün, bei dem man unwillkürlich an das Bier denken musste, das die Pubs in North Beach am St. Patrick’s Day ausschenken.“

Granate, oder? Keine Ahnung wie die Passage am Lektorat vorbeigeschmuggelt wurde. Aber keine Angst, das ist ein einmaliger Ausrutscher – vielleicht auch ein gezielter Bruch, denn das Buch ist eigentlich viel zu cool für einen solchen Schmonses. Gut, dass Reich-Ranitzky die Passage nicht mehr miterleben musste. (An dieser Stelle sei kurz angemerkt: „Mach’s gut, Marcel!)

 

Fazit:

Was soll ich sagen? Ein „klassischer“ Annie Kincaid. Viel Flair aus der Kunst-Szene, schöne Story, deren Ende vielleicht etwas überraschend kommt. Da hätte ich mir im Vorfeld etwas mehr Hinweise für den Leser gewünscht, damit der etwas Herrenwissen und einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber der Heldin hat. Mein Tipp auf den Hauptverdächtigen war ein völlig anderer, da der im Laufe des Romans immer mal – scheinbar unauffällig – hier und da erwähnt wurde.

… und ich wünsche ihr ganz einfach, dass sie mal irgendwann etwas Ruhe in ihre Männergeschichten reinbekommt.

 

Ich fürchte ja etwas, dass Feder & Schwert die Reihe schon aufgegeben haben – also los! Kauft Band 3 in Massen, damit ich erfahre, welcher der Liebeskandidaten das Rennen macht. Dabei fällt mir gerade auf, dass der Titel von Band 4 „Arsenic and old Paint“ echt fies zu übersetzen ist, denn die Anspielung auf „Arsen und Spitzenhäubchen“ wird verloren gehen, wenn da nicht jemand eine zündende Idee hat.

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