Servicewüste Frankfurt

Es ist schon ein Kreuz mit der Buchmesse. Man muss hin, ob man will oder nicht, denn ab einem gewissen Grad der Bekanntheit bedeutet Nichterscheinen Tod durch Rufmord. Man gibt also viel Geld für ein sehr anstrengendes zeitweiliges Quartier in der Beton-Unseligkeit der Messehallen aus, um sich drei sogenannte Fachbesuchertage lange gepflegt zu langweilen bzw. Termine abzuarbeiten bzw. zuzusehen, wie sich eine zutiefst verunsicherte Branche selbst feiert, als gäbe es kein Morgen — fast erinnern sie an die Tanzenden auf der Titanic kurz vor dem Eisberg – noch spielt das Orchester ja. Und um dann an den Publikumstagen Deckung vor Besucherschwärmen zu suchen, denen man aber die heiß begehrten Druckerzeugnisse erst Sonntags kurz vor Toresschluss verkaufen darf.

Aber bevor man soweit kommt, muss man durch den Aufbautag. Ja, es stimmt: Die Messe hat das abgenudelte Gerümpel an Systemstandmobiliar weggeworfen und durch neues ersetzt. Schade nur, wenn das entweder von oben bis unten durch Tüncherarbeiten am Nachbarstand mit schwarzer Farbe besudelt (Unterschränke, Wände) oder gleich gar nicht vorhanden (ein Stuhl, fast alle Regale)  ist.

Was dann begann, war die Odyssee des Oliver H. Der Hallenwart verwies mich an PanAlpina, die an eine Messebaufirma auf dem Gelände, die wiederum an ihren Servicestand in 4.C, wo man mich beschied „Da müsssen Sie bei der Buchmesse nachfragen“ (was hab ich gelacht!), an deren Servicecounter man mir schließlich Nachlieferung des Stuhls zusagte (gelang Dienstag Nacht) und zeigte, wo in Halle 3.0 der Container mit den Regalen stehe.

Nun könnte man meinen, damit fände die Geschichte nach knapp 90 Minuten Herumgeschicktwerden durch sich durch enormes Desinteresse an meinem Anliegen bzw. sprachliche oder zerebrale Inkomeptenz, dieses zu bearbeiten, auszeichnende ZeitgenossInnen ein versöhnliches Ende. Man könnte weiter meinen,  für die mehreren tausend Öcken, die wir der Messe in den Gierschlund werfen, dürfte man erwarten, dass man seine Möbel nicht auch noch selbst durch die Gegend schleppen muss. Aber weit gefehlt – und ich hätte ja auch zähneknirschend geschleppt – wäre denn an der angegebenen Stell eien Container gewesen.

War aber nicht. Schließlich halfen die Kollegen von Uberreuther dankenswerterweise mit überzähligen Regalböden aus.

Miserable Leistung, durchweg enttäuschender Service. Vom hohen Ross den Boden der Tatsachen aus dem Blick verloren?

Leipzig liegt in Hessen

Unschön aufgestoßen ist mir dieser Tage der Beschluss der Buchmesse Leipzig, den Ausstellern des Fantasy-Bereichs ab der anstehenden Messe im Märzt 2012 das Verkaufen zu untersagen. Damit verabschiedet sich die traditionsreichste Literaturveranstaltung Deutschlands von einem aus meiner Sicht sehr attraktiven Alleinstellungsmerkmal, das es gerade kleineren Ausstellern ermöglichte, zumindest einen Teil der nicht unerheblichen Messekosten über Buchverkäufe zu refinanzieren, und schwingt sich auf dasselbe hohe Ross, auf dem die Frankfurter Buchmesse schon seit Jahren sitzt.

Grund für diesen Sinneswandel ist angeblich, dass man es benachbarten Ausstellern gegenüber nicht mehr vertreten könne, dass diese nicht verkaufen dürfen. Vorauseilender Gehorsam oder eben doch Klagen der Großen, warum es den Kleinen so gutgehen müsse? Den Verkauf – was ein logischer Schluss wäre – für alle freizugeben, so menetekelt man in Leipzig, werde die Messe in kürzester Zeit zur Ramschverwertungsveranstaltung verkommen lassen.

Interessant, wie wieder mal der Gleichbehandlungsgedanke genau  in dem Zeitpunkt aus der Schublade gezogen wird, wo er den Gleicheren nutzt. Denn wie sagt schon Orwelll in Animal Farm: „All animals are equal, but some are more equal than others.“ Wehe, wenn der Gedanke, gegen die Ungleichheit zu sein, zur Waffe im Arsenal derer wird, deren Wesenszug sie doch ist.