Lange Nacht der Museen: Hoffmann liest & singt

ImageEs steht fest: Anläßlich der Langen Nacht der Museen MA-HD-LU am 20. 4. werde ich im Studio meines Co-Autors Thommy Mardo, Augartenstrasse 40, 68165 Mannheim, aus dem Facebook-Killer lesen, immer häppchenweise. Dazwischen gibt es Musik, und zwar von Wednesday Afternoon Love Affair, kurz W. A. L. A., unplugged und in kleiner Besetzung: Akustische Gitarre, Bass, Jambú und Gesang, was bedeutet, ich werde immer wieder hektisch vom Lese- zum Gesangsmikro und zurück eilen müssen.

Dazu gibt’s Sekt, Orangensaft und Häppchen. Der Eintritt ist vermutlich frei, aber wir stellen einen Hut auf (oder so – lasst euch überraschen). Da immer nur für so ca. 30 Leute Platz ist, wird das Ganze in sehr intimer Atmosphäre stattfinden, und wir wechseln alle 60-90 Minuten einmal die Gäste durch.

Also am besten den Termin schon mal vormerken – wir freuen uns auf euch!

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Von Leiharbeiterlasagne und Neonazigäulen

ard_amazon_reportMein Freund Thomas Zorbach wurde durch einen Artikel des Focus zum Shitstorm-Forscher. Ich vermute mal (ohne ihn am Wochenende gefragt zu haben – da hatten wir andere Themen im Kopf), derzeit kommt er vor lauter Forschen nicht mehr zum (richtige) Nachrichten hören.

Die Er-Eifersucht schlägt nämlich hohe Wellen im digitalen wie im echten Blätterwald, und man sieht denselben vor lauter Aufschrei-Bäumen bald gar nicht mehr. Worum geht es?

Es steht kein Pferd auf dem Flur, nein – es ist Pferdefleisch in der Billiglasagne. Und bei amazon.de werden Leiharbeiter scheiße behandelt.

Wow! Das ist mal ne Überraschung. Demnächst deckt noch einer auf, das Wasser nass ist. Ja was habt ihr denn gedacht, ihr Shitstürmer? Dass Amazon zur weltgrößtem Interneteinkaufskrake – äh – zum weltgrößten Internethandelskonzern geworden ist, weil es so lieb ist?

Und dann „entlässt“ Amazon werbewirksam die umstrittene Sicherheitsfirma (zweifellos nicht ohne vorher eine neue angefragt zu haben, die mit denselben Methoden weitermacht, aber die Ungeschicklichkeit vermeidet, sich mit neonazitypischem Outfit fotografieren und filmen zu lassen), die Wogen schlagen NOCH höher und alle fühlen sich edel, hilfreich und gut und feiern das als Sieg.

Und Pferdefleisch … nun ja. Mir persönlich schmeckt es nicht, aber was eine Gesellschaft isst, ist ebenso ihre interne Abrede wie die Frage, was in ihr als (strafbare) Droge gilt.  Der einzige Skandal besteht hier meines Erachtens aus der Fehletikettierung – und aus dem Grundproblem, das beiden scheinbar disparaten, in Wirklichkeit aber sehr parallelen Meldungen zugrunde liegt: der offensichtlich unumschränkten Herrschaft der Geldgier, vulgo Kapitalismus.

Was mit den toten Pferden geschah diente ebenso wie das, was mit den lebenden Leiharbeitern geschah, der maximalen Profitsteigerung bei gleichzeitiger Außerachtlassung sämtlicher Werte außer dem Mehrwert. Leiharbeit ist per se Instrument dieser Religion der Ausbeutung. „Geiz ist geil“ ist ihr Abendlied, und die Ratingagenturen in aller (westlichen) Welt, die noch immer ungestraft ihrem in meinen Augen verbrecherischen Tun nachgehen, sind ebenso ihre Hohepriester wie die Röslers dieser Welt mit ihrem Gefasel vom selbstregulierenden Markt.

Sicher würde ich gern wie ein Kollege hier „die Konsequenzen ziehen“ und Amazon links – bzw. rechts – liegen lassen, aber das ist in dem Marktsegement, in dem wir uns bewegen, schlicht unmöglich. Amazon diktiert das Überleben zumindest unseres Verlages. Das haben wir zugelassen. Ich auch. Aber solange wir an die Grundprobleme (s. o.) nicht ranwollen, sollten wir uns billige Shitstorms und Siegesfeiern über Peanuts verkneifen. Sonst bleibt alles beim Alten, mit Ausnahme simulierter Pseudo-Partizipation – und die braucht eh keiner, außer um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Pures Grauen nach dem Frühstück

ilgenAm Samstag vor einer Woche habe ich in St. Ilgen aus dem Facebook-Killer gelesen. Folgendes hatte Sabine Geschwill heute in der RNZ dazu zu berichten:

Um „5 nach 9 Uhr“ war die Welt beim ökumenischen Frauenfrühstück im Martin-Luther-Haus noch in Ordnung. Niemand dachte beim Sektempfang und angesichts der köstlichen Frühstückstafel an Mord oder zerstückelte Frauenleichen. Und doch sollte den Damen bald das Lachen vergehen und ihnen das pure Grauen begegnen. Denn zu Gast war Oliver Hoffmann.

Der Buchautor las aus seinem neuesten Krimi „Der Facebook-Killer“. 1965 in Mannheim geboren, studierte Oliver Hoffmann Germanistik, Politische Wissenschaft und Medienwissenschaft und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Forschungsprojekt zum Thema Mediengewalt an der Universität Mannheim. 1989 gründete er mit anderen Fantasy-Begeisterten den Verlag „Feder & Schwert“, dessen Schwerpunkt fantastische Literatur und Rollenspiele sind.

Dieser Oliver Hoffmann sorgte nach dem leckeren Frühstück und der ausgiebigen Stärkung binnen weniger Sekunden für Totenstille im Saal. Er hatte die Damen vorgewarnt und versprochen, das schlimmste Kapitel zuerst zu lesen und dann ein Lustigeres folgen zu lassen.

Hoffmann kann nicht nur spannend schreiben, sondern auch fesselnd vorlesen. In seinem Buch treibt ein Serienkiller sein Unwesen in Paris. Er sucht seine Opfer im Internet, sein Jagdrevier ist der Chat. Dort täuscht er seine weiblichen Bekanntschaften, lullt sie ein, arrangiert ein Treffen und bestraft sie dann mit tödlicher Grausamkeit. Der Facebook-Killer kennt keine Gnade. Sein nächstes Opfer hat er schon in seinen Keller gezerrt. Sie leidet Höllenqualen, hat unerträgliche Schmerzen von seinen brutalen Schlägen.

In Bruchstücken erinnert sie sich. Sie traf ihn, ihren ach so netten Chatbekannten, in einem Café in der Nähe des Louvre. Denn ab und an suchte sie den Kick und traf sich mit ihren Internetbekanntschaften. „Ein bisschen Spaß muss sein“, war ihre Devise. Nach dem lustigen Abend bemerkt sie viel zu spät das seltsame Schwindelgefühl. Sie ist nicht mehr Herr über sich selbst. Kaum nimmt sie neben ihrer Bekanntschaft im Auto Platz, trifft sie ein harter Schlag ins Gesicht.

Jetzt liegt sie hilflos in Schmerz und Blut in einem Keller. Sie versucht, ihre Lage richtig einzuschätzen, will die geringste Chance gegenüber ihrem Peiniger zur Flucht nutzen. Aber sie hat Todesangst. Denn sie entdeckt an den Wänden eine Schreckensgalerie: ermordete, zerstückelte junge Frauen. Am Ende der Reihe sieht sie ihr eigenes Bild. Für den Vorwurf, wie sie nur so naiv sein und sich auf den fremden Mann einlassen konnte, war es jetzt zu spät: Sie hört schon Schritte. Der Killer nähert sich ihrem Kellerverlies …

Die Lesepause, die Oliver Hoffmann an dieser Stelle geschickt eingelegt hatte, sorgte für ein hörbares Auf- und Durchatmen bei seinem weiblichen Publikum. Im nächsten Kapitel machten die Frühstücksgäste Bekanntschaft mit der Psychologin Geza Wolf, genannt die „Wölfin“, die aus Mannheim nach Paris gerufen wird, um das Profil dieses Serienmörders zu erstellen. An der Seite des psychisch schwer angeschlagenen Pariser Kriminalkommissars Maxime Fronzac versucht sie, den Facebook-Killer dingfest zu machen.