Zero Tolerance

fluchtursachen-900x364Ich wollte schon seit ein paar Tagen Grundsätzliches dazu sagen, warum Intolerante meiner Auffassung nach jedes Recht auf Toleranz verwirkt haben.

Nun ist mir mein alter Freund Christian Wolff zuvorgekommen. Ich zitiere hier seinen aktuellen Bogbeitrag im Wortlaut – der Blog ist auch insgesamt sehr lesenswert.

Verständnis – wofür und für wen?

Da sitzt sie am Sonntagabend in erlauchter Runde – Kathrin Oertel, „eine aus dem Volk“. Ihr gegenüber und an der Seite: Männer. Mit bedeutungsvoller Miene und nachdenklichem Kopfnicken folgen sie ihren kruden Einlassungen. Natürlich: Das eine oder andere Mal wird die Dame sanft belehrt – aber ansonsten soll doch niemandem wehgetan werden: Verständnis für die Sorgen und Ängste sind angesagt. Das Ganze wird verkauft als mediale Sensation – so als ob nun erstmals und endlich und nur dank der Pegida-Sprecherin Oertel über die „Tabuthemen“ Asyl und Einwanderung geredet werden durfte. Aber diese abendliche Kuschelrunde war nur das Vorspiel für den eigentlichen roten Teppich, der ihr dann am Montag in Dresden ausgerollt wurde. Der Chefversteher Sachsens, Frank Richter, hatte zur Pegida-Pressekonferenz geladen – in die Landeszentrale für politische Bildung, sozusagen zu sich nach Hause: Obdach für zwei verlorene Schafe. Und da saßen sie dann: Lutz Bachmann und Kathrin Oertel vor den Vertreter/innen der „Lügenpresse“. Kein Wunder, dass Herr Bachmann die Gelegenheit nutzt und zur Teilnahme an der beabsichtigten Legida-Demonstration am Mittwoch in Leipzig auffordert – Legida, diese demaskierte Pegida: Sammelbecken von Neonazis, Hooligans und frustrierten älteren Herren. Sie fordern Schluss mit Multikulti, Rückkehr zur „nationalen Kultur“, Schluss mit dem „Kriegsschuldkult“ und Wahl von Richtern und Staatsanwälten durch das Volk – aber, da sie ja das Volk sind, nur durch dieses. Roland Freisler redivivus. Hier noch einmal und nur zur Erinnerung: Die Landeszentrale für politische Bildung bietet das Podium dafür, dass für diese demokratiefeindlichen Ziele, für diese Menschenverfeindung geworben wird. Wo sind wir gelandet, das wir uns zum Büttel eines Halbkriminellen machen lassen?

Die Tatsache, dass ein Hotelier in Dresden-Laubegast seine Zusage, sein Haus zur Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen, wegen massiver Drohungen zurückziehen musste, ist für Frank Richter kein Anlass zur Moderation. Da gibt es keinen Aufschrei, kein Zuhören: Wer springt dem Hotelier zur Seite? Weder am Sonntag noch am Montag wird dieser Skandal thematisiert, obwohl der Zusammenhang zwischen Pegida und der Resignation des Hoteliers mit Händen zu greifen ist – insbesondere dann, wenn man den ach so wohlfeilen Rat befolgt: Zuhören. Ja, wenn sie es nur täten, die das immer im Mund führen. Wenn denn auch auf die Zwischentöne gehört würde. Wenn denn die Verständnisapostel hören würden, was gebrüllt und krakelt, wie gedroht und gegiftet wird. Aber all das geschieht nicht. Stattdessen werden denjenigen der Hof gemacht, die unverhohlen fordern: Werdet so, wie wir das wollen, und dann habt ihr keinen Ärger mehr mit Pegida – denn: Wir sind das Volk. Und wir sagen euch, wer dazu gehören darf und wer nicht.

Man kann nur hoffen, dass sehr bald allen aufgeht, welch absurdes Schmierentheater gerade aufgeführt wird. Und das in einer Zeit, in der vor allem und an erster Stelle denen der Rücken gestärkt werden muss, die unter dem Pegida/Legida-Desaster am meisten zu leiden haben: die Asylbewerber, die Menschen, die an ihrer Hautfarbe als Ausländer zu erkennen sind. Sie leben seit Wochen in Angst. Es wird also höchste Zeit, dass in unserem Land wieder Klarheit einkehrt – insbesondere bei denen, die in der politischen Meinungsbildung eine gewichtige Rolle spielen (und dazu gehören auch die Kirchgemeinden): Keine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit den Brandstiftern von Pegida und Legida, die sich als Biedermänner und –frauen aufspielen, öffentlich nie etwas gegen „echte“ Asylbewerber haben, aber Montag für Montag alles dafür tun, dass die Dämme des Anstands und der Menschlichkeit brechen. Kein Verständnis für die perfiden Hassparolen, die – sobald sie ausgesprochen oder niedergeschrieben sind – widerrufen oder gelöscht werden, um sie eine Woche später zu wiederholen oder wiederholen zu lassen. Aber natürlich Gesprächsbereitschaft mit jeder und jedem. Nur sollte eines unstrittig sein: Ohne Klärung der eigenen Position und deren offenen Kommunikation keine Diskussion auf Augenhöhe. Darum war es gut, dass in Leipzig die Bürgerrechtler ihr Dialogangebot mit einer Überschrift versehen haben “Für ein Europa freier Bürger mit offenen Grenzen“. Wenigstens das.

2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 8.900 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 3 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Eis & Dampf gewinnt den dpp

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Am gestrigen Samstag, 11. 10. wurde die von unserem Autor Christian Vogt herausgegebene Anthologie Eis & Dampf im Rahmen des 29. Buchmesse-Convents im Bürgerhaus Dreieich als beste Anthologie des Jahres ausgezeichnet. Die Anthologie wurde als erste in Deutschland per Crowdfunding realisiert und spielt in der Welt von Die zerbrochene Puppe (Judith & Christian Vogt, ebenfalls Feder & Schwert), dem Steampunk-Roman, der im vergangenen Jahr den dpp als bester Fantasy-Roman 2013 erhielt. Sie umfasst 13 Kurzgeschichten, von denen über die Hälfte aus den Federn des sehr steampunk-affinen Autorenkollektivs AKzwanzig13 stammt, eine weitere aus der Feder von Stefan „Phanta-News“ Holzhauer.

Tote Hasen gegen Prostatakrebs

dead rabbit

Liebe Leserinnen und Leser,

die Tjoster von heute reiten keine Streitrösser und keine Rosinanten, und sie ziehen auch weder gegen andere Ritter noch gegen Windmühlen zu Felde. Sie stellen sich einem bösen Feind, der uns alle (so wir zur männlichen Hälfte der Weltbevölkerung gehören) bedroht: dem Prostatakrebs.

Meine lieben Freunde Tom Bischer und Oliver Graute beteiligen sich aus diesem Grunde am Distinguished Gentleman’s Ride 2014. Unterstützt von den Herren Jochen Koop und Mario Steinmetz fahren die beiden unter dem Teamnamen The Dead Rabbits am Sonntag, dem 28. September von  Heidelberg aus gut gekleidet Motorrad, um Aufmerksamkeit auf diese tückische Krankheit, die Notwendigkeit ihrer besseren Erforschung und der Prävention dagegen zu lenken..

An diesem Tag starten weltweit Tausende von Gentlemen ihre Maschinen, um dem Prostatakrebs den Kampf anzusagen. Täglich sterben 1300 Männer weltweit an dieser Form von Krebs.

Mit einer Spende kann man beim Kampf gegen den Krebs helfen. Alles Nähere unter dem obigen Link, wo sich auch eine einfache Unterstützungsmöglichkeit per PayPal finden lässt.

Warum höre ich nichts?

fsow

Erinnert ihr euch

An den gemeinsamen Brief der evangelischen und katholischen Bischöfe Deutschlands

An die Bundesregierung

In denen sie sich entschieden gegen die Waffenlieferungen in Krisengebiete wandten?

Erinnert ihr euch

An die ganzseitigen Anzeigen in FAZ ZEIT SZ FR BILD und TAZ

Offene Briefe, unterschrieben von allen namhaften deutschen TheologInnen

Ihr NEIN in die Welt zu brüllen

Erinnert ihr euch

An die flammenden Predigten

Von allen Kanzeln der Republik

An jenem verhängnisvollen Sonntag, dem 31. August

Alle Pfarrerinnen und Pfarrer

Verkündeten die Friedensbotschaft Jesu

Und bezogen eindeutig Stellung

Bis das ganze Kirchenvolk aufbegehrte …

 

Ihr erinnert euch nicht?

Das ist kein Wunder

Denn es ist ja nicht geschehen

Warum höre ich nichts?

 

Ein guter Freund sagte einmal

In einer sehr umstrittenen Predigt

„Die Feinde des Grundgesetzes

Sind auch die Feinde des Evangeliums

Und umgekehrt“

Und er hatte recht

Was da passiert ist

Als eines der wenigen letzten großen Tabus der deutschen Außenpolitik fiel

Und wir beschlossen

Waffen in heiße Krisengebiete zu verhökern

(Die morgen erbeutet

Und übermorgen gegen ihre Verkäufer gerichtet werden)

Das ist eindeutig

Und ohne wenn und aber

Im Widerspruch zu allem was mir heilig ist

Es bleibt also zu konstatieren:

Auf der Regierungsbank in Berlin

Sitzen Feinde des Evangeliums

Und mithin auch Feinde des Grundgesetzes

Denn das kann man auch sein

Ohne es dem Buchstaben nach zu verletzen

Warum höre ich nichts?

 

Dann verhöhnen sie noch rasch

Das Parlament

Indem sie ihm die Chance geben

Am internationalen Tag des Friedens

Über die im Hinterzimmer gefallene Entscheidung zu debattieren

Natürlich ohne jede Konsequenz …

 

Denn machen wir uns nichst vor

Wenn unsere Regierung das beschließt

Geht es nicht um „Vermeidung von Flächenbränden“

Es geht um Verdienst für die Waffenlobby

Und Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie

 

Wenn die USA

Das nicht nur moralisch bankrotte Mutterland der westlichen Leidkultur

Täglich Millionen in einen Kreuzzug investiert

Geht es um nichts als Geld

 

Warum höre ich nichts

Von den Kanzeln dieser Republik?

 

Aber nun gut

Ab morgen

Will ich auch nichts mehr hören

Die 50 Euro ist mir das wert

Mit meinem Gott werde ich im Gespräch bleiben

 

Mit seinen irdischen Sachwaltern

Möchte ich es tunlichst unterlassen.

Viva la Revolución

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Ich glaube langsam tatsächlich, anders geht es nicht mehr. ich habe das Belogenwerden satt. Bitte lest folgenden Text von Konstantin Wecker von Ende letzter Woche.
Danke, Konstantin.

 

Liebe Freunde,

was wäre, wenn die ISIS-Terroristen nach wie vor von westlichen Diensten und von Finanzen über Golf-Emirate und Saudi-Arabien unterstützt würden, um gegen syrische Regierungstruppen ihre unsäglichen Verbrechen zu begehen?
Was wäre, wenn sie in Syrien nützliche Schlächter wären, da durch die Zerschlagung des syrischen Staates auch Stützpunkte der Russischen Föderation im Persischen Golf angegriffen würden?
Was wäre, wenn es dabei nicht zuletzt auch um große Erdgasvorkommen ginge?
Was wäre, wenn eine andauernde Instabilität im Nahen Osten geradezu erwünscht wäre, um militärische Dauerpräsenz damit zu rechtfertigen?
Was wäre, wenn es ohne die westliche Politik das augenblickliche Hauptproblem der stets gedemütigten Kurden, den ‚Islamischen Staat‘ (IS), gar nicht gäbe?
„Jahrelang haben die USA die Waffenlieferungen Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten an syrische Terroristen wohlwollend durchgewinkt. Saudi-Arabien – Deutschlands angeblicher ‚Stabilitätsanker‘ – besitzt ja Waffen im Überfluss. Vor allem westlicher, auch deutscher Produktion. Aus einigen dieser von den Saudis ausgerüsteten Organisationen entstand ISIS, die sich später in ‚Islamischer Staat‘ (IS) umbenannte“, schreibt Jürgen Todenhöfer.
Was wäre, wenn wir einige dieser Waffen, die wir jetzt an die bedrängten Kurden liefern, schon bald in den Händen islamistischer Mörderbanden sehen würden?
In Mali, Zentralafrika, Nigeria?
Was wäre, wenn all dieser Wahnsinn wohlgelitten wäre, um dann immer wieder aus „humanitären Gründen“ eingreifen zu können, wieder Waffen verkaufen zu können, die Welt in Unruhe zu halten, anstatt endlich zuzugeben, dass das kapitalistische System immer wieder Kriege braucht, um sich am Leben zu halten und seine Statthalter weiter zu bereichern?
Kapitalismus war schon als Kind Scheiße, hab ich als Graffiti mal gesehen.
Und es gefällt mir immer besser.
Ja, Freunde, was wäre, wenn wir einfach andauernd unglaublich betrogen und belogen und beschissen würden von Menschen, deren Gier nach materiellem Reichtum unersättlich ist?
Und von deren Handlangern, den großen Medienkonzernen?
Was wäre dann, wenn das so wäre?
Was wäre, wenn die Demokratie schon lange auf dem Altar der Geheimabsprachen der Konzerne geopfert worden wäre?
Wenn die Zentralbanken, in denen die Entscheidungsträger ja doch nie gewählt werden könnten, schon seit langem mehr zu sagen hätten, als die sogenannten demokratischen Staaten? Die Europäische Zentralbank, die EZB, zum Beispiel stellt ja einen Zusammenschluß europäischer Privatbanken dar, nicht eine Institution der EU!
Was wäre, wenn gar nicht mehr Demokratie drin ist, wo Demokratie draufsteht?
Was wäre, wenn Demokratie nichts als ein Etikettenschwindel wäre?
Ich glaube weiter an die Kraft der Veränderung.
Aber zuallererst müssen wir uns gegen die Nebelkerzen wehren, mit denen wir täglich beschossen werden.

Und wenn wir dann sähen, dass dieses „was wäre wenn“ auch so ist und nicht nur wäre, würden wir dann endlich aufstehen?
Was wäre, wenn wir kein Wunder bräuchten, sondern eine Revolution?

Reform-bedürftig

antikapWer kennt sie nicht, die CreditReform, jene Furunkel am runzligen Arsch des Kapitalismus … eine Firma, die Geld damit macht, andere zu bewerten, ob die das wollen oder nicht.

Sie ist quasi auf dem Unternehmens-Binnensektor das, was die nicht weniger verachtenswerte SchuFa für Privatmenschen und die Rating-Agenturen, für die mir noch meine ekelerregendsten Adjektive zu schade sind, für Staaten sind.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Privatwirtschaftliche Firmen, die sich daran bereichern, andere willkürlich mit Zensuren zu versehen, und dabei bestenfalls – wie im Falle der SchuFa – noch erfolgreich versuchen, sich den Anstrich zu geben, als seien sie  in irgendeiner Form behördenähnlich oder sonstwie staatlich legitimiert.

So abscheulich ich das aber an sich schon finde – man muss ja nicht mit denen arbeiten. Dachte ich. Und setzte es auch um: Die Firma, an der ich maßgeblich beteiligt bin, wirft Anfragen der CreditReform nach Auskünften seit über einem Jahrzehnt ungeöffnet weg.

Doch nun überkam sie uns: Wir möchten bei unserem magentafarbenen Telekommunkationanbieter einen Tarifwechsel vornehmen. Um den zu beantragen, MUSS ich unterschreiben, dass ich mit einer Bonitätsprüfung durch die Aasgeier CreditReform einverstanden bin. Wir haben alles angeboten: Bankauskunft unserer Hausbank, Schreiben unseres vereidigten Steuerberaters, BWA, Bilanz. Nix da. Es muss das völlig irrelevante privatwirtschaftliche Unternehmen sein, denn „das ist Teil unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ (Zitat Sachbearbeiterin der Telekom).

Ich rechen fest damti, dass die CreditReform unsere Bonität schlecht bewertet, schlicht weil wir nicht mit ihr reden mögen. Und wieder einmal kann ich gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.