Die Phantastische Akademie braucht euch!

Die 2010 gegründete Phantastische Akademie e. V. setzt sich für die Förderung und Anerkennung phantastischer Literatur als gleichberechtigte Literaturform ein.
Zu diesem Zweck, um dem Genre einen würdigen Rahmen zu geben und der Kulturwelt im deutschsprachigen Raum zu zeigen, dass sie es ernst meint, verleiht die Akademie jährlich im Rahmen der Leipziger Buchmesse den Literaturpreis SERAPH.

Nun hat die Akademie die Chance, beim Wettbewerb „DiBaDu und Dein Verein“ der ING BiBa 1000 € zu gewinnen. Das Geld würde der Förderung von Jungautoren, deren Schulung und Sicherung einer möglichen beruflichen Zukunft zugute kommen.
Also rafft euch auf und stimmt HIER für die Akademie! Das Genre Phantastik wird es euch danken.

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Je einfacher denken …

… sei eine Gabe Gottes, soll der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer einmal gesagt haben.

Auch wenn es sich bei dem Satz um einen grammatikalischen Trümmerbruch handelt, möchte ich ihm inhaltlich von ganzem Herzen zustimmen und gleich noch eine Lanze für das „Je einfacher reden“ brechen.

Es geht mir nämlich zunehmend eine sehr fatale Form von Gejammere auf die Nerven, die ich in zwei Ausprägungen erlebe. Da ist zum einen die sog. Experten-Variante: „Der Sachverhalt [ergänze: Eurokrise, Globalisierung, EnBW-Deal, Rentenlüge …] ist zu kompliziert, um ihn einem Laien zu erklären. Vertrauen Sie mir einfach.“ In der eher passiven, also duldenden oder leidenden, Volks-Variante klingt das in etwa so: „Du, dieser Sachverhalt [ergänze: Eurokrise, Globalisierung, EnBW-Deal, Rentenlüge …] ist so kompliziert, da blickt ja kein Mensch mehr durch … ich glaube, das muss man den Fachleuten überlassen.“

Ich glaube das nicht.

Ich glaube vielmehr, dass hier Politiker, Börsianer, (selbsternannte) Finanzexperten und viele mehr sich eines uralten Tricks bedienen, den wir schon von unseren Lehrern kennen: Sachverhalte unnötig kompliziert ausdrücken, um sich vom Pöbel abzugrenzen. Er potenziert sich allerdings derzeit noch zu „Sachverhalte so lange unnötig verkompliziert und verklausuliert ausdrücken, bis mich keiner mehr versteht und mich alle machen lassen.“

Solchen Menschen möchte ich aber weder machen noch ihnen etwas über-lassen, schon gar nicht für mein Leben ausschlaggebende Entscheidungen.

Ich glaube mich zu erinnern, dass es die Figur des genialen, querschnittgelähmten Forensikers Lincoln Rhyme ist, die Jeffrey Deaver in seinen Thrillern bei der Annäherung an ein neues Thema immer gebetsmühlenartig fordern lässt: „Explain that to me as if I were a six year old.“ Eine gute Forderung – und man wundert sich, wie gut das geht. Ich probiers mal an ein paar Beispielen:

  • Es gibt gar keine Eurokrise. Es gibt vielmehr eine Schuldenkrise. Das liegt daran, dass unsere Regierungen unseren Staat in einem Maß überschuldet haben, für das jeder Privatmann längst hinter Gittern säße. Man sollte sie zur Verantwortung ziehen.
  • Die Rentenkassen sind leer. Wer aktuell noch keine Rente bezieht, wird von seiner Rente (so er welche bekommt) nicht leben können. Das liegt daran, dass die Regierung Kohl den Generationenvertrag einseitig aufgekündigt hat, um unser Erspartes in blühende Landschaften zu stecken.
  • Banken werden gerettet, weil sie systemrelevant sind. Mit unserem Geld. Unser (finanzielles) Wohlergehen ist nicht systemrelevant.

Ich hör dann mal auf. Aber ich würde mir wünschen, wir – und erst recht die Interviewenden allüberall in den amtlichen Informationsverteilzentralen – würden beginnen, unsere/ihre Gesprächspartner zu so klarem Reden zu zwingen. Oder ihnen endlich nicht mehr zu- und damit auch nicht mehr auf sie zu hören.

Chronik einer angekündigten Bauchlandung

ImageEin Gespenst geht um in der deutschen Buchhandelsszene. Es heißt Thalia und ist mitunter ganz schön unheimlich und hat teilweise sehr dicke Ellbogen. Aber vielleicht wird das Gespenst bald exorziert …

Thalia nennt es „Flächenrückbau“, aber das ist ein widerwärtiger Euphemismus. Wer so redet, nennt Atommüllendlager auch „Entsorgungsparks“ und Massenentlassungen „personalpolitisch getriebene Gewinnmaximierung“.

Fakt ist: Es mehren sich die Anzeichen, dass das US-amerikanische Private-Equity-Unternehmen Advent den Lifestyle-Konzern Douglas schlucken wird, zu dem auch Thalia gehört. In Deutschland steht Private Equity als Form der Beteiligungsfinanzierung schon lange in der öffentlichen Kritik. Angestoßen wurde die Diskussion bereits Mitte 2005 durch Franz Müntefering, der ja nun beileibe kein säbelrasselnder Kapitalismuskritiker ist, aber dennoch einen Vergleich mit „Heuschreckenschwärmen“ anstellte; seither hat sich die Bezeichnung „Heuschrecken“ allgemein als Metapher durchgesetzt.

Eine solche Heuschrecke wird nun also wahrscheinlich den u. a. Parfumriesen und eben auch seine Buchtochter aus Hagen fressen, die immerhin Marktführerin im Buchhandel ist.

Spätestens dann ist es auch egal, ob Thalia im Zuge des begonnenen „Sanierungskurses“ 15 (wie selbst verlautet) oder 50 (wie von u. a. buchreport berichtet) Filialen schließt. Im Zuge desselben Sanierungskurses sollen übrigens die Verlage – zur Erinnerung: Das sind die Firmen, die einmal im Jahr in Hagen zum Rapport antreten durften, um sich dort ihre Konditionen diktieren zu lassen, die sie mit Glück dann auch gleichlautend in der Jahresvereinbarung wiederfanden – dem angeschlagenen Vertriebspartner aus Hagen „in der schwierigen Restrukturierungsphase bei den Konditionen entgegenkommen und finanziell unter die Arme greifen.“ Sollen wir vielleicht auch noch ein paar Care-Pakete packen?

Hier zeigt sich, was passiert, wenn Konzernstruktur auf Kulturgut (vulgo: Kapitalismus auf Buch) trifft: Es geht rauschend schief. Erst die lebendige Buchhandelslandschaft teilweise mit Bulldozer-Methoden planieren, dann große Töne spucken, dann merken, dass man sich verhoben hat, dann aus den Filialen eine Art andersfarbige Nanu Nana-Niederlassung mit ein paar mehr Büchern zwischen den NonBook-Artikeln machen und dann rumjammern? Ja pfui.

Aber genug geschimpft … ich muss weg, Stullen schmieren.