Ehrgeiz kennt keine Grenzen …

ImageDie Seite brettspiele-report.de, eigentlich (wie der Name schon sagt) eher anderen Spielformen zugetan, hat sich unseres Freihändler-Grundregelwerks angenommen. ich möcht euch nicht die gesamte, lange Besprechung zumuten – für Interessierte: Sie lässt sich hier nachlesen – aber doch das stolze Fazit mitteilen. Vielen Dank für die Blumen!

brettspiele-report Bewertung

Warhammer 40.000 Rollenspiel – Freihändler Grundregeln

Balancing:  19/20
Charaktererschaffung/-entwicklung:  19/20
Einstiegsabenteuer:  17/20
Flair:  20/20
Hintergrundinformationen:  18/20
Illustrationen:  20/20
Papierqualität:  20/20
Regeln:  18/20
Preis/Leistungsverhältnis:  19/20
Bewertung:  19/20

Meinung brettspiele-report:

Freihändler reiht sich nahtlos in die hochqualitative Riege der Warhammer-Rollenspiele aus dem Hause Fantasy Flight Games ein. Wobei auch ein großes Kompliment an Feder und Schwert geht, die wieder einmal eine sehr gute Übersetzung abgeliefert haben. Freihändler kommt ohne große Errata aus, man hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und in der Zwischenzeit sicherlich auch einiges an Erfahrung gesammelt.

Die Regelmechanik ist grundsolide und basiert auf einem leicht nachvollziehbaren W100-System, wenn auch die Rechnerei gerade zu Beginn etwas abschreckend sein kann. Mit etwas Übung hat man aber die am häufigsten benutzten Regeln schnell im Kopf abgespeichert. Sofern der Spielleiter sich helfen lässt, können die Spieler durch eigenes Wissen, die möglichen Wissenslücken auffüllen. Gerade bei der Vielzahl an Talenten, Ausrüstung und Psikräften kann man alleine schon schnell ins Schleudern kommen. Insgesamt ist das System aber durchaus ausgewogen, gut gelungen sind die Verbesserungen gegenüber den Schattenjäger Regelwerk, dabei hebe ich gerne die positive Entwicklung der Psikräfte hervor. Sehr schön ist auch die mögliche Konvertierung der Charaktere aus dem Schattenjägeruniversum in die Welt von Freihändler – vorbildlich.

Die Illustration und allgemeine Qualität des Buchs sind erneut grandios. Hardcover, komplett farbig und auf Hochglanzpapier gedruckt, da schlägt das Rollenspielerherz höher. Am Preis hat sich gegenüber dem Schattenjägerregelwerk nicht viel getan. Die 49,95 EUR sind das Büchlein allemal wert.

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Open-Air-Benefiz-Krimi-Event im Großkraftwerk Mannheim

ImageAm Freitag, 20. Juli 2012 findet um 20:00 Uhr im Großkraftwerk Mannheim im Freien, aber überdacht ein Benefiz-Event am Originalschauplatz des Mannheim Krimis Kohlemord von Manfred Krämer statt.

Krämer, der LKW-fahrende Krimiautor, stellt dabei direkt neben der Kohlehalde seinen neuesten Krimi dem staunenden Publikum vor. Das Großkraftwerk und der Verlag Waldkirch haben keine Kosten und Mühen gescheut und jede Menge Überraschungen in die Lesung eingebaut.

Es warten also Spannung vom Feinsten mit Kohlebergen im Hintergrund, Blick auf den Rhein und vorn die beeindruckende Kulisse der Hochspannungsleitungen und Dampfröhren, dazwischen der quirlige Autor, der seine Figuren gerne auch mundartlich zum Leben erweckt und aus seinen Lesungen ein Schauspiel macht. Seine Helden Solo und Tarzan im Kampf gegen die Kohlemafia, Kommissar Bluhm, der „Bluhmepeter“, ein Tschäänauer Original in Nöten und der knorrige alte Schiffer Guscht mit seinem museumsreifen Pott, der noch eine Rechnung mit dem Kraken offen hat, dazu ein verschwundener Koffer mit Millioneninhalt, dazu ein toter Penner in der besten Suite des Mannheimer Grandhotels Mare und ein Showdown unter den Kohlehalden des GKM – das klingt nach einem spannenden Krimiabend.

Ich verschenke zehn Ehrenkarten zu der Veranstaltung; einfach unten in den Kommentaren Bescheid sagen. Achtung: Der Eintritt ist frei, doch vor Ort wird – wie immer bei Benefizveranstaltungen – um eine Spende gebeten werden. Normalerweise kostet der Eintritt 10 Euro.

Der Erlös der Veranstaltung kommt in Not geratenen Binnenschifferfamilien zugute.

Weitere Informationen unter www.verlag-waldkirch.de oder telefonisch unter 0621/7900161.

50.000 Shades of Bigotry

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Ikonisch: Die Mutter einer SM-Renaissance

Die beiden Buchhandelsketten WELTBILD und Hugendubel bieten in ihren Online-Shops die Weichspül-Sado-Maso-Schmonzette Shades of Grey, die bei den Kollegen von Goldmann jüngst mit einer Startauflage von 500.000 startete und damit mal wieder zeigt, wo beim deutschen Lesepublikum der Hammer hängt, zwar an, warnen aber gleichzeitig – schließlich gehört man der Kirche, und es wird ja auch so viel von Pornografie geredet in letzter Zeit – gleichzeitig vorm Kauf.

„Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau“, wird der masturbationsgeneigte Kunde informiert, „widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen. Wir sehen das Buch als sehr problematisch an.“

Ich meine: So geht’s nicht. Entweder nimmt man sich selbst in seiner Argumentation ernst – auch wenn in der Bibel nirgends steht: „Du sollst dich nicht zum gegenseitigen Vergnügen von deinem Partner verhauen lassen“ und auch wenn die Kirche eine lange Tradition des ausnehmend spaßfreien Anderverhauens hat. Dann gilt Matthäus 6,24: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Dann muss man die Eier haben und mal ’ne Meinung nicht nur posten, sondern auch vertreten – und auf all die schöne Kohle aus dem Verkauf der sinnfrei gehypten Twilight-Fan-Fiction (!) verzichten. Aber dazu bräuchte es Rückgrat.

Oder man will auf den lieben Mammon nicht verzichten – dann hält man gefälligst den Mund und erspart seinen Kunden bigottes, heuchlerisches Warngeschwafel, nimmt die Asche und lässt Gott einen guten Mann sein.

Aber beides geht nicht. Peinlich, peinlich. Oder, liebes Weltbild, liebe Hugendubels, eure eigenen Worte paraphrasierend, damit’s mit dem Verständnis klappt:

„Die hier betriebene Bigotterie widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem ich mich als intelligenter Bücherleser leiten lasse. Ich sehe solches Verhalten als sehr problematisch an.“

Rezi: Maschinengeist

Die PhanImagetastik-News haben Maschinengeist besprochen, und zwar so:

Chris Schlicht
Maschinengeist
– von Carsten Kuhr

Wir schreiben das Jahr 1899. Einmal im Jahr weilt der Kaiser in dem industriellen Moloch, der sich aus den einstigen Städten Frankfurt und Wiesbaden gebildet hat, zu Besuch. Die Polizei schiebt Überstunden, die verelendete Bevölkerung der Entlassenen, Heimatlosen und Umstandsverbrecher wird in ihren Elendsquartieren eingekesselt, während der Monarch bei seinem Geldgeber, dem Industriellen Baron von Wallenfels, zu Besuch weilt.

Einst gehörte auch Peter Langendorf zu den Gesetzeshütern, die für die Sicherheit des Kaisers zuständig waren. Als er mit seinem obersten Vorgesetzten, einem unfähigen, sich anbiedernden Karrieristen aneinandergeriet, zog er die Konsequenzen und verließ die Kriminalpolizei. Als Privatermittler fristet er nun ein eher karges Dasein.

Eines Tages erhält er nicht nur einen, sondern gleich zwei lukrative Aufträge. Im Dienste Baron von Wallenfels soll er ermitteln, wer hinter den Anschlägen auf die neueste Errungenschaft des Barons, ein revolutionäres Luftschiff, steckt. Für den gefeierten Künstler de Cassard soll er dessen im Elendsviertel verschollene Halbschwester finden und sie nach Möglichkeit aus ihrem Elend befreien.

So begibt er sich einmal mehr in die Niederungen der menschlichen Existenzen, wie es sie am Rheinufer zuhauf gibt. Hier, wo die Abwässer der Industriekomplexe des Deutschen Reiches das Wasser schwarz färben, wo ständig ein dunkler Pesthauch in der Luft liegt, wo man ohne schützende Augengläser und möglichst eine Atemmaske eigentlich gar nicht unterwegs sein dürfte, kennt er sich aus wie kaum einer seiner Ex-Kollegen. Und hier stößt er auf den roten Fuchs, einen skrupellosen Zuhälter, der den Honoratioren der ach so feinen Gesellschaft für deren perversen Spielchen aus Sex und Gewalt seine Huren zur Verfügung stellt; und die Leichen der zum Dienst gepressten Damen dann gleich noch entsorgt. Wer aber steht hinter dem Fuchs, wer zieht die Strippen, und was haben die Orgien mit seiner Suche nach den Anarchisten, die von Wallenfels’ Luftschiff sabotieren wollen, zu tun?

Zusammen mit seinem Bruder, der aufgrund einer Intrige der Reichen des Reiches seinen Beruf als Architekt verlor, begibt Peter Langendorf sich auf die Suche – und stößt dabei immer wieder auf Beziehungsgeflechte und Spuren, die zum reichsten und mächtigsten Mann des Staates führen…

Selbst im relativ neuen Subgenre des Steampunks hat sich eine gewisse Uniformität eingeschlichen. Immer wieder präsentieren uns die Autoren das viktorianische London mit seinen rauschenden Bällen, Tanzkarten und Bordüren als Kulisse für ihre zumeist dampfbetriebenen Maschinen und deren genialen Erfindern. Chris Schlicht geht in ihrem ersten Roman einen anderen Weg – und das ist gut so!  Voller Eigenständigkeit beschreibt sie uns eine Region, die sie eigentlich aus ihrer Westentasche kennt.

Das Rhein-Main-Gebiet, das uns in „Maschinengeist“ erwartet, hat mit der Region, die wir aus der Jahrhundertwende kennen, nichts mehr gemein. Mutig schafft die Autorin einen Moloch, der all das in sich vereint, was ungehinderter Kapitalismus, Egoismus und perverses Machtstreben aus einst blühende Landschaften machen kann. Die Umwelt ist zerstört, ätherbetriebene Maschinen gehören einer ständig reicher werdenden Oberschicht, das Bildungsbürgertum verarmt zusehends, Korruption und Vetternwirtschaft herrscht überall.

In diese Welt, in der die Massen Arbeit suchender Menschen in Elendsquartieren hausen, von Ausbeutern und Verbrechern als Opfer für ihre jeweiligen Ziele ausgesucht werden und vor sich hin vegetieren, berichtet sie uns ohne falschen Pathos nicht nur von den menschenunwürdigen Umständen, denen die Bewohner der Elendsviertel ausgesetzt sind, sondern auch von denen, die daraus ihren Vorteil ziehen.

Der Reichtum des Wirtschaftsbooms erreicht die, die dafür oftmals mit ihrem Leben bezahlen, nicht. Stattdessen nutzen die die auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind, ihren Reichtum dafür, sich perversen Vergnügungen hinzugeben. Das birgt jede Menge glaubwürdig vorgetragene Gesellschaftskritik, ohne dass diese aufgesetzt oder oberlehrerhaft wirken würde. Moral, Ethik, ja das simple Gewissen bleibt auf der Strecke, wenn es darum geht, seinen Reichtum zu mehren, sich alles zu nehmen was das Herz zu begehren scheint, auch wenn dies moralisch verwerflich ist. Dieser Grundtenor durchzieht den Roman, der daneben eine spannende Kriminalgeschichte enthält. Es geht darum, die Hintergründe der Verbrechen zu erforschen, sodass die Ermittlungen unserer ungleichen Brüder viel kriminalistisches Gespür vermitteln. Dagegen treten die Erfindungen um den neuen Antrieb des Luftschiffes in den Hintergrund.

In einem sehr zurückhaltenden Stil, an den ich mich erst gewöhnen musste, erzählt uns die Autorin ihre Geschichte vom Niedergang einer ganzen Region. Es geht ihr darum aufzuzeigen, was Gier und Morallosigkeit aus Menschen machen kann, wie dünn die zivilisatorische Tünche ist, mit der die Menschen sich schmücken. Das hat Tiefgang, verwöhnt uns mit markanten Figuren die ihrer Charakterzeichnung folgend logisch und nachvollziehbar handeln, und liest sich interessant und flüssig.

Aktion sauberer Briefkasten: Check

So, ich bin Ende letzten Monats wunschgemäß um die Jubiläums-BILD herumgekommen. Worum zu kommen mir nicht gelang, war der tiefrote, aus schwerem Papier gefertigte Umschlag, in dem mir der Axel-Springer-Verlag großmütig die Möglichkeit bot, doch noch an sein werbefinanziertes Jubelblättchen heranzukommen, falls meine Onlineverweigerung in einem Anfall geistiger Umnachtung geschehen sei.

Hier die Botschaft:

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Und nochwas: Opel hat sich – wie viele andere deutsche Unternehmen – den Ganzseiter in dem „Kultblatt“ schlappe 400.000 Euro kosten lassen. BILD hat also mit seinem großzügigen, flächendeckenden Geschenk zum eigenen Geburtstag sicher noch einen Reibach gemacht – und Opel sollte vor dem nächsten Standortschließungsgeraune mal kurz nachdenken, wo das viele, schöne Geld besser verwendet ist – bei der Befüllung von Lohntüten oder bei der Kofinanzierung reaktionärer Pressekampagnen.

Neues vom Kaffeewärmermann

Benny, alter Inquisitor von Gottes Gnaden!

Nein, besonders lustig ist der diesmonatige TITANIC-Titel nicht. Er ist zugegebenermaßen eher Ausdruck einer Faszination für präpubertären Fäkalhumor als für fein ziselierte Satireattacken.

Aber auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Und wenn dann das Oberhaupt eines Staates, das die UNO-Menschenrechtserklärung nicht unterschrieben hat, das (und ja, ich zitiere mich hier bewusst und gerne gebetsmühlenartig selbst) seriell ein Geschlecht (Frauen) und eine Lebensform (Homosexualität) diskriminiert und auch sonst recht mittelalterlich daherkommt, wenn dieser Mann also, der sich im Falle der tausendfachen sexuellen Übergriffe seiner Diener auf Kinder ebenso auf „besonderes Kirchenrecht“ beruft wie im Falle der faschistischen Holocaustleugner von der Piusbruderschaft, dann aufheult, weil ihn einer derb verspottet, und wenn er dann noch mit Hilfe der Justiz die deutsche Pressefreiheit einschränkt … und wenn zu guter Letzt der CSU-Goppel pflichtschuldig ins selbe Horn stößt und dem TITANIC-Chefredakteur „das Recht zu schreiben“ aberkennen will (Reichsschriftleitergesetz, ick hör dir trapsen …), dann bleibt mir nur zu sagen:

Volltreffer, TITANIC.

Und weils so schön war und die TITANIC es nicht mehr verbreiten dürfen soll:

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